Viele Fragen landen immer wieder auf meiner Werkbank - manchmal zusammen mit dem Instrument, manchmal nur per Mail. Hier habe ich die häufigsten gesammelt. Vieles kannst Du selbst erledigen, bei manchem ist die Werkstatt die bessere Wahl. Und wenn Du Dir unsicher bist: Schreib mir oder ruf an.
Eine feste Regel gibt es nicht - das hängt davon ab, wie viel Du spielst und wie sehr Deine Hände schwitzen. Spätestens wenn die Saiten dumpf klingen, sich rau oder klebrig anfühlen, verfärbt sind oder die Gitarre plötzlich nicht mehr sauber stimmt, ist es Zeit. Wer regelmäßig spielt, landet meist irgendwo zwischen einem und drei Monaten. Beschichtete Saiten halten länger, fühlen sich aber etwas anders an.
Der Saitenwechsel hat nicht nur klangliche Gründe. Wenn die Saiten rau sind, wirken sie wie Schleifpapier auf die Bünde und dementsprechend nutzen die Bundstäbchen schneller ab und müssen ggf. schneller abgerichtet oder ersetzt werden.
Kleiner Tipp: Nach dem Spielen kurz mit einem trockenen Tuch über die Saiten wischen. Das kostet zehn Sekunden und verlängert ihr Leben spürbar.
Bei E-Gitarren sind 9er und 10er-Sätze der Standard. Dünnere Saiten lassen sich leichter greifen und ziehen, dickere klingen etwas voller, halten die Stimmung beim harten Anschlag besser und sind bei tieferen Stimmungen fast Pflicht. Letztlich ist das Geschmackssache - probier's aus.
Wichtig: Wenn Du die Saitenstärke oder die Stimmung änderst, ändert sich auch der Zug auf dem Hals. Dann passen Halskrümmung, Saitenlage, Oktavreinheit und manchmal die Sattelkerben nicht mehr - bei Gitarren mit Vibrato auch die Federspannung. Ein Setup danach lohnt sich fast immer.
Nur unlackierte Griffbretter wie Palisander oder Ebenholz. Lackierte Ahorngriffbretter bitte nicht ölen - da bringt es nichts, die brauchen nur hin und wieder ein feuchtes Tuch.
Zwei- bis dreimal im Jahr reicht völlig, am besten beim Saitenwechsel. Ein spezielles Griffbrettöl oder Wachs sparsam auftragen, kurz einziehen lassen und den Rest gründlich abwischen. Das Griffbrett soll danach nicht glänzen oder nass sein. Finger weg von Olivenöl oder Speiseöl - das wird ranzig. Ich berate Dich gerne bzgl. der verschiedenen Optionen.
Holz arbeitet, und am wohlsten fühlt es sich bei gleichmäßiger Raumtemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 40 bis 60 %. Keller und Dachboden sind keine gute Idee, der Platz direkt neben der Heizung oder einem Fenster auch nicht.
Gerade im Winter trocknet Heizungsluft das Holz aus: Das Griffbrett schrumpft minimal, die Bundenden stehen plötzlich über und kratzen an der Hand. Bei Akustikgitarren können sogar Risse entstehen. Ein kleines Hygrometer im Raum zeigt Dir, ob Du gegensteuern solltest. Und wenn Du im Winter mit der Gitarre von draußen kommst: Koffer oder Tasche erst nach einer Weile öffnen, damit sich das Instrument langsam an die Temperatur gewöhnt.
Die üblichen Verdächtigen: Die Saitenlage ist zu niedrig, die Halskrümmung passt nicht (oft nach einem Wechsel der Jahreszeit oder der Saitenstärke), einzelne Bünde stehen höher als andere, oder die Bünde sind abgespielt. Schnarren nur die Leersaiten, sind die Sattelkerben oft zu tief.
Wo es schnarrt, verrät schon viel: Schnarrt's nur in den ersten Lagen, hat der Hals meist zu wenig Krümmung. Schnarrt's in den hohen Lagen, ist die Saitenlage oft zu niedrig. Schnarrt's nur an einzelnen Stellen, deutet das auf einen hohen oder losen Bund hin.
Ein bisschen Schnarren unverstärkt ist übrigens normal, solange es über den Amp nicht zu hören ist. Wenn es Dich stört: Ein Setup löst das meistens.
Dann stimmt die Oktavreinheit nicht. Der Test: Leersaite stimmen, dann am 12. Bund greifen. Der Ton sollte exakt eine Oktave höher sein. Ist er zu hoch, muss der Saitenreiter ein Stück nach hinten (weg vom Hals), ist er zu tief, ein Stück nach vorne.
Das geht nur mit frischen Saiten und einer passenden Saitenlage wirklich sauber - alte Saiten verfälschen das Ergebnis. Stimmen die ersten Bünde nicht, obwohl der 12. passt, ist oft der Sattel zu hoch gekerbt. Das ist dann ein Fall für die Werkstatt.
Frische Saiten dehnen sich noch - nach dem Aufziehen ein paar Mal vorsichtig ziehen und nachstimmen. Außerdem sollten ein paar saubere Wicklungen auf dem Mechanikstift liegen, nicht zu viele und nicht zu wenige.
Hörst Du beim Stimmen ein leises "Pling", klemmt die Saite im Sattel. Etwas Graphit (ein weicher Bleistift tut's) in den Kerben hilft oft schon. Weitere Kandidaten: ein nicht sauber eingestelltes Vibrato, ausgeleierte Mechaniken oder schlicht Temperatur und Luftfeuchtigkeit - zum Beispiel, wenn die Gitarre aus dem kalten Auto direkt auf die warme Bühne kommt.
Grundsätzlich ja - der Halsstab ist dafür da, die Halskrümmung an den Saitenzug anzupassen. Wichtig ist, in kleinen Schritten zu arbeiten: maximal eine Achtel- bis Viertelumdrehung, dann dem Hals etwas Zeit geben und nachmessen. In der Regel gilt vom Einstellende aus gesehen: im Uhrzeigersinn wird der Hals gerader, gegen den Uhrzeigersinn bekommt er mehr Krümmung.
Wenn sich die Mutter nur schwer oder gar nicht mehr drehen lässt: Bitte nicht mit Gewalt! Ein gebrochener oder überdrehter Halsstab ist eine der teuersten Reparaturen an einer Gitarre. Dann lieber vorbeibringen.
Als Faustregel: einmal im Jahr, und zusätzlich immer dann, wenn Du die Saitenstärke oder Stimmung wechselst oder Dir auffällt, dass sich die Gitarre anders spielt als früher. Viele Gitarren reagieren auf den Wechsel zwischen trockener Heizungsluft im Winter und feuchtem Sommer - da lohnt sich ein kurzer Check im Herbst oder Frühjahr.
Schau Dir die Bünde in den ersten Lagen an: Siehst Du kleine Kerben genau dort, wo die Saiten aufliegen, sind sie abgenutzt. Weitere Anzeichen: Töne sterben beim Ziehen (Bending) plötzlich ab, offene Akkorde klingen trotz gestimmter Gitarre schief, einzelne Stellen schnarren, obwohl das Setup passt, oder die Bünde fühlen sich flach und breit an statt schön rund.
Solange noch genug Material auf den Bünden ist, reicht meistens das Abrichten: Die Bünde werden auf eine gemeinsame Höhe gebracht, neu verrundet und poliert. Das spielt sich danach wie neu.
Sind die Kerben zu tief oder die Bünde nach früheren Abrichtungen schon sehr flach, bleibt nach dem Abrichten zu wenig übrig. Dann ist eine Neubundierung die bessere Wahl. Welcher Fall bei Dir vorliegt, sehe ich beim Blick auf die Bünde meistens sofort.
Edelstahl ist deutlich härter als das klassische Neusilber und hält entsprechend lange - wer viel spielt oder gern ordentlich zieht, hat davon wirklich was. Dazu fühlt sich Edelstahl sehr glatt an, Bendings gleiten fast von allein. Der Klang etwas heller und die Gitarre bekommt etwas mehr Attack. Der Einbau ist aufwendiger und verschleißt Werkzeug schneller, deshalb kostet eine Neubundierung mit Edelstahl etwas mehr.
Ein guter Mittelweg ist übrigens EVO Gold bzw. Glockenbronze: nach meiner Erfahrung ähnlich haltbar wie Edelstahl, im Spielgefühl und Klang aber sehr nah an Neusilber. Für vielgespielte Akustik-Gitarren eine sinnvolle Option, aber auch E-Gitarren oder Bässe profitieren natürlich davon.
Meistens sind Staub oder leichte Oxidation die Ursache. Ein spezielles Kontaktspray für Potis in die kleine Öffnung am Gehäuse sprühen und das Poti ein paar Mal hin und her drehen - das hilft oft schon. Bitte kein WD-40 oder Universalöl, das zieht Dreck an und macht es auf Dauer schlimmer.
Kratzt es danach immer noch, ist die Widerstandsbahn verschlissen, und das Poti sollte getauscht werden. Das ist keine große Sache und oft eine gute Gelegenheit, gleich auf hochwertige Bauteile umzusteigen.
Singlecoils fangen Störfelder von Monitoren, Neonröhren, Dimmern oder Netzteilen auf - ein gewisses Brummen gehört bei ihnen dazu. Dreh Dich mal mit der Gitarre im Raum: Wird es leiser, liegt es an der Umgebung.
Wird das Brummen leiser, wenn Du die Saiten oder die Brücke berührst, ist alles in Ordnung - Dein Körper wirkt dann als zusätzliche Abschirmung. Brummt es dagegen immer, egal was Du tust, oder wird es beim Berühren lauter, stimmt etwas mit der Masseverbindung nicht. Auch ein defektes Kabel ist ein häufiger Übeltäter.
Singlecoils (typisch Strat oder Tele) klingen klar, drahtig und perlend, haben aber das typische Brummen.
P90 sind ebenfalls Singlecoils, aber sind etwas anders aufgebaut als klassische "F-Style" Singlecoils. Sie haben mehr Output und mehr Mitten, klingen rotziger und knurriger - irgendwo zwischen Singlecoil und Humbucker. Brummen tun sie leider auch.
Humbucker bestehen aus zwei gegensinnig geschalteten Spulen, die das Brummen gegenseitig auslöschen. Sie klingen fetter und wärmer, haben meist mehr Output und etwas weniger Höhen.
Wer den P90-Sound in einer Humbucker-Gitarre haben möchte, ohne zu fräsen: Dafür gibt es P90 im Humbucker-Format - zum Beispiel in meinem Custom-Shop.
Ein neuer Pickup verändert Charakter, Output und Dynamik - besonders bei günstigen Gitarren, wo u.a. an den Pickups enorm gespart wird, ist der Unterschied oft deutlich.
Bevor Du tauschst, lohnt sich allerdings ein kostenloser Versuch: die Pickup-Höhe einstellen. Schon ein Millimeter in die eine oder andere Richtung ergibt einen hörbaren Unterschied bei Output, Klarheit und Balance zwischen den Saiten. Und auch Potis, Kondensator und Verkabelung prägen den Sound mit. Wenn Du nicht sicher bist, was Dein Sound braucht, lass uns darüber reden - dafür gibt's u.a. die Custom Pickups.
Die Frage, über die in Foren am längsten gestritten wird. Meine Einschätzung: Bei der E-Gitarre bestimmen Pickups, Elektrik, Setup und natürlich der Amp den Sound viel stärker als die Holzart. Das Holz spielt trotzdem eine Rolle - beim Gewicht, beim Schwingungsverhalten, beim Sustain und dabei, wie sich die Gitarre am Körper anfühlt. Die Schwingung der Saiten hängt ja nicht nur vom Anschlag ab, sondern auch davon, wie lange sie in bestimmten Frequenzbereichen vom Instrument (Holz) getragen wird. Der Pickup sieht am Ende nur das Ergebnis der schwingenden Saite, überträgt also indirekt auch das Holz.
Wichtig ist aber auch und gerade, dass alles zusammenpasst: ein gut sitzender Hals, ein sauberer Sattel, eine stabile Brücke. Eine gut gebaute Gitarre aus "einfachem" Holz kann besser klingen als eine schlecht gebaute aus den besten Hölzern.
Der Klang ist beim Sattel nur ein Aspekt. Theoretisch "hören" wir ihn nur bei den leeren Saiten. Sobald eine Saite gegriffen wird, "hören" wir eher das Bundstäbchen (siehe auch Edelstahl vs. Nickelsilber). Viel interessanter und wichtiger ist der schmierende Effekt von Knochen. Gerade bei Gitarren mit Vibrato hilft der Sattel bei der Stimmstabilität.
Aber auch ohne Vibrato hilft Knochen der Saite bei Bendings, sich leichter im Sattel zu bewegen (vorausgesetzt, die Kerben passen zur Saitenstärke). Deshalb fertige ich Sättel aus Knochen oder anderen harten Materialien selbst an.
Oft ja! Viele günstige Gitarren sind besser als ihr Ruf - sie scheitern nur an einem lieblosen Werks-Setup. Ein ordentliches Setup, entgratete Bundenden, ein vernünftig gekerbter Sattel und eine überarbeitete Elektrik mit besseren Potis und Buchse machen aus mancher Einsteigergitarre ein richtig gutes Arbeitstier.
Die Grenze liegt da, wo die Kosten den Wert der Gitarre deutlich übersteigen - zum Beispiel bei einem verzogenen Hals oder einer kompletten Neubundierung an einer sehr günstigen Gitarre. Ob sich's lohnt, sage ich Dir gerne, bevor ich loslege.
Es gibt kein festes Intervall. Endstufenröhren verschleißen schneller als Vorstufenröhren, die oft viele Jahre oder Jahrzehnte halten. Typische Anzeichen: Der Amp verliert an Lautstärke und Durchsetzungskraft, klingt matt oder matschig, knistert und rauscht, oder eine Röhre klingelt oder pfeift, wenn Du gegen das Gehäuse klopfst (Mikrofonie).
Die Lebensdauer insbesondere der Endstufen-Röhren hängt auch vom Amp selbst ab. Es gibt Amps, die die Röhren eher "kühl" fahren, dementsprechend länger halten sie. Und dann gibt es Amps, die die Röhren sehr hart ran nehmen und bei denen öfter ein Wechsel ansteht.
Egal, mit welchem Problem der Amp zu mir kommt - ein Test der Röhren und eine Leistungsmessung gehören bei mir immer dazu.
Wenn eine Röhre sichtbar rot glüht (nicht das normale orange Glimmen des Heizfadens, sondern das Blech im Inneren) oder eine Sicherung fliegt: Amp sofort ausschalten und prüfen lassen.
Das hängt von der Schaltung ab. Amps mit Fixed Bias (zum Beispiel viele Fender- und Marshall-Modelle) sollten nach dem Tausch der Endstufenröhren eingemessen werden, damit die Röhren im richtigen Arbeitspunkt laufen. Das beeinflusst Klang und Lebensdauer deutlich. Amps mit Kathoden-Bias (etwa viele Vox- und kleinere Class-A-Amps) regeln das selbst. Bei Vorstufenröhren muss nichts eingestellt werden.
Wichtig: Im Inneren eines Röhrenamps liegen lebensgefährliche Spannungen - auch dann noch, wenn der Stecker längst gezogen ist. Das Einmessen gehört deshalb in erfahrene Hände. Mehr dazu auf der Seite Verstärker-Reparatur.
Ja, das kann richtig teuer werden. Ein Röhrenamp braucht am Ausgang immer eine Last, also eine angeschlossene Box. Ohne Last kann beim Spielen die Spannung im Ausgangsübertrager so hoch werden, dass er oder die Endstufenröhren Schaden nehmen. Also: erst Box anschließen, dann einschalten. Und auf die richtige Impedanz (Ohm) achten.
Mit Standby sind die Röhren vorgeheizt, aber die hohe Betriebsspannung ist noch nicht angelegt. Die klassische Reihenfolge: Netzschalter an, etwa eine halbe bis eine Minute warten, dann Standby aus. Ausschalten umgekehrt.
Wie viel das für die Lebensdauer der Röhren wirklich bringt, darüber wird gestritten. Bei Amps ohne Röhrengleichrichter kann der Standby-Schalter bzw. das Einhalten der Aufwärmphase andere Bauteile im Amp schonen, da diese nicht sofort bzw. sehr plötzlich mit hoher Spannung versorgt werden.
Kurz: Wenn Dein Amp einen Standby-Schalter hat, nutze ihn.
Eine bewährte Grundordnung: Stimmgerät, dann Filter wie Wah, dann Kompressor, dann Verzerrer (Overdrive, Distortion, Fuzz), danach Modulation wie Chorus, Phaser oder Flanger, und am Ende Delay und Reverb. Die Logik dahinter: Erst den Klang formen, dann verzerren, dann in den Raum stellen.
Ausnahme: Viele Vintage-Fuzzes, besonders mit Germanium-Transistoren, wollen direkt nach der Gitarre sitzen - sonst klingen sie dünn. Und wenn Du die Verzerrung vom Amp nutzt, klingen Modulation, Delay und Hall im Effektweg oft sauberer. Ansonsten gilt: Regeln sind zum Brechen da. Ausprobieren lohnt sich.
Beides hat seine Berechtigung. Bei True Bypass läuft das Signal im ausgeschalteten Zustand unverändert durch. Das klingt erstmal ideal, aber bei vielen Pedalen und langen Kabeln summiert sich die Kabelkapazität, und die Höhen gehen verloren - der Sound wird dumpf.
Ein Buffer treibt das Signal sozusagen neu an und hält die Höhen auch über lange Kabelwege. Ein schlechter Buffer kann den Klang allerdings auch färben. Die meisten guten Boards kombinieren beides: überwiegend True-Bypass-Pedale und ein guter Buffer an der richtigen Stelle - bei einem Vintage-Fuzz am Anfang der Kette aber erst nach dem Fuzz.
Der häufigste Grund ist die Stromversorgung. Werden mehrere Pedale über ein einfaches Kabel ("Daisy Chain") an einem Netzteil betrieben, entstehen schnell Masseschleifen - vor allem, wenn digitale Pedale mit im Spiel sind. Ein Netzteil mit galvanisch getrennten Ausgängen löst das in den meisten Fällen.
Und nicht am Patchkabel sparen - ein wackeliger Stecker brummt gern mal mit.
Dann schreib mir einfach oder ruf an: Tel. 0177 557 08 97 oder jan@ruhrpott-guitars.com. Fragen rund um Werkstatt, Termine und Preise beantworte ich in der FAQ. Und wenn Du lieber gleich Hilfe möchtest: Hier kannst Du Dir direkt einen Termin buchen.